Stagnation – eine unterschätzte Gefahr
Eine hohe Wasserqualität lässt sich durch eine sorgfältig geplante und installierte Trinkwasseranlage sicherstellen. Doch überall dort, wo längere Zeit kein Wasser entnommen wird, birgt die Anlage Gefahren: Bei langer Stagnation kann die Wasserqualität stark leiden. Woran das liegt und welche Lösungen es gibt.


Was die Trinkwasserhygiene gefährdet
- Mängel in der Installation, etwa fehlende Sicherungsarmaturen wie Rückflussverhinderer oder Systemtrenner.
- Fehlende Wartung von Bauteilen – der Hauswasserfilter zum Beispiel gehört regelmäßig rückgespült oder getauscht.
- Falsche Temperaturen. Kaltwasser sollte dauerhaft unter 25 °C bleiben, Warmwasser am Speicheraustritt mindestens 60 °C haben und im Zirkulationssystem nirgends unter 55 °C fallen. Zwischen 25 und 50 °C vermehren sich Legionellen, am stärksten bei 30 bis 45 °C. Verbindlich sind die 60/55 °C nach DVGW W 551 für Großanlagen ab 400 Liter Speicher; im Einfamilienhaus sind sie die Empfehlung.
- Stillstand. Nach spätestens 72 Stunden ohne Entnahme gilt eine Leitung als stagnierend; Keime können sich dann ungestört vermehren. Deshalb heißt es: Wasser muss fließen.
Warum Stagnation gefährlich ist
Stagnation liegt vor, wenn Wasser in der Leitung steht und nicht verwendet wird. Keime und Bakterien können sich dann in gesundheitsgefährdender Zahl vermehren. Bei der Wiederinbetriebnahme werden größere Mengen davon mitgerissen und können die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung überschreiten. Die Regeln der Technik – VDI 6023 und DIN EN 806 – verlangen deshalb den bestimmungsgemäßen Betrieb: Jede Entnahmestelle wird regelmäßig genutzt. Urlaub, Sanierung, ein leerstehendes Gästezimmer – je nach Dauer der Unterbrechung sind unterschiedliche Maßnahmen nötig, um die Hygiene wiederherzustellen:
| Dauer der Betriebsunterbrechung | Zu Beginn | Bei Rückkehr |
|---|---|---|
| über 4 Stunden bis 3 Tage | keine | Stagnationswasser ablaufen lassen |
| über 72 Stunden bis 7 Tage | Absperreinrichtung schließen, Anlage befüllt lassen | Absperrung öffnen, Wasser an jeder Entnahmestelle mindestens 5 Minuten fließen lassen |
| bis 4 Wochen | Absperreinrichtung schließen, Anlage befüllt lassen | vollständiger Wasseraustausch durch Spülen an allen Entnahmestellen |
| 1 bis 6 Monate | Absperreinrichtung schließen, Anlage befüllt lassen | Anlage spülen, anschließend mikrobiologische Untersuchung von Warm- und Kaltwasser |
| über 6 Monate | Anschlussleitung vom Wasserversorger trennen lassen | Wiederinbetriebnahme durch eingetragenes Installationsunternehmen, Spülung und mikrobiologische Untersuchung |
Angelehnt an VDI 6023 Blatt 1 und DIN EN 806-5; im Zweifel gilt die aktuelle Fassung der Richtlinie.
Armaturen mit automatischer Hygienespülung
Die Präventionsmaßnahme ist die regelmäßige Spülung. Von Hand – Armatur auf, warten, Armatur zu – ist das in größeren Gebäuden mit hohem Personalaufwand verbunden und wird schnell vergessen. Effizienter ist eine berührungslose Armatur mit automatischer Hygienespülung: Sie spült zum Beispiel automatisch 30 Sekunden, wenn sie 24 Stunden nicht benutzt wurde. Intervall und Dauer lassen sich je nach Einbausituation per Bluetooth in einer App einstellen, so dass genau die Wassermenge ausgetauscht wird, die in der Zuleitung steht. Solche Lösungen gibt es für Waschtische, Duschen, Urinale und Küchenarmaturen – die Installation gehört in die Hand eines Fachbetriebs.
Herstellerneutral zusammengestellt von der Redaktion SHK INFO. Zuerst erschienen am 29. Mai 2021 als „Trinkwasserhygiene – Wasser muss fließen“ im SHK-Info-Blog, für die neue Seite überarbeitet im Oktober 2026. Angaben nach bestem Wissen, ersetzen aber keine Prüfung der Anlage im Einzelfall.