Was die Heizlast ist
Die Heizlast ist die Leistung, die ein Gebäude am kältesten Auslegungstag braucht, um in jedem Raum die vorgesehene Temperatur zu halten. Sie wird in Watt oder Kilowatt angegeben und ergibt sich aus dem, was über Wände, Fenster, Türen, Dach und Boden verloren geht, plus dem, was mit der Luft hinausgeht.
Sie ist keine Eigenschaft der Wohnfläche und schon gar nicht die Leistung des alten Kessels. Der war fast immer großzügig ausgelegt – bei einer Gastherme kostete das kaum etwas, weil der Brenner weit heruntermodulieren konnte.
Warum wir für die raumweise Berechnung sind
Es gibt einfachere Wege, zu einer Kilowattzahl zu kommen – über die Gebäudehülle als Ganzes oder über Verbrauchswerte. Für eine Wärmepumpenplanung reichen sie nicht, und zwar aus einem Grund, der oft untergeht:
Dazu kommt: Die raumweise Heizlast ist nicht nur eine Zahl für den Wärmeerzeuger. Sie ist zugleich die Grundlage für die Prüfung vorhandener Heizkörper, die Auslegung neuer Heizflächen und den hydraulischen Abgleich nach Verfahren B. Wer sie einmal sauber ermittelt, hat die Datenbasis für alle weiteren Schritte – und muss nichts zweimal erfassen.
Für die BEG-Förderung ist die raumweise Berechnung ohnehin Pflicht, ebenso der darauf aufbauende hydraulische Abgleich.
Ausführlich heißt nicht aufwendig
Der häufigste Einwand gegen die raumweise Berechnung lautet, sie sei im Bestand nicht machbar – man kenne ja den Wandaufbau nicht und könne schlecht jede Fuge aufstemmen. Das stimmt, ist aber kein Hindernis: Die Norm sieht für genau diese Fälle Erleichterungen vor.
Unsere Haltung: raumweise rechnen, immer – aber mit den zulässigen Vereinfachungen arbeiten, statt die Berechnung ganz zu lassen. Eine raumweise Rechnung mit Tabellenwerten ist um Längen besser als eine Faustformel über die Wohnfläche.
Was erlaubt ist
- U-Werte aus Tabellen statt aus dem Schichtaufbau. Ist der Aufbau unbekannt, dürfen Werte nach Baualtersklasse angesetzt werden. Für die typischen Konstruktionen gibt es belastbare Kataloge.
- Pauschale Wärmebrückenzuschläge statt des Einzelnachweises jeder Anschlussstelle.
- Standardwerte für den Luftwechsel, abgestuft nach Dichtheit des Gebäudes, statt einer Messung.
- Zusammenfassen zusammenhängender Bereiche, etwa offener Wohn- und Essbereiche, die ohnehin eine Temperatur haben.
- Verzicht auf die zusätzliche Aufheizleistung, wenn die Anlage durchgehend betrieben wird – bei einer Wärmepumpe der Regelfall.
Was dabei nicht vereinfacht werden darf, ist die Raumaufteilung selbst. Jeder beheizte Raum wird einzeln bewertet, mit seiner Solltemperatur, seinen Außenflächen und seinen Nachbarbereichen. Genau daraus entsteht der Nutzen.
Was in die Rechnung eingeht
Drei Verlustarten werden betrachtet:
- Transmission – Wärme, die durch Außenwände, Fenster, Türen, Dach und Boden abfließt.
- Lüftung – Verluste durch den notwendigen Luftwechsel und durch Undichtheiten der Hülle.
- Aufheizleistung – was nach einer Absenkphase zum Wiederaufheizen nötig wäre. Bei durchgehendem Betrieb entfällt sie.
Die Gebäudedaten dahinter
U-Werte der Bauteile. Je kleiner, desto besser die Dämmwirkung. Erfasst werden Außenwände, Fenster, Türen, Dach- und Bodenflächen.
Innen- und Außentemperatur. Die Solltemperatur des Raums und die standortbezogene Norm-Außentemperatur ergeben die Differenz, die das System ausgleichen muss. Ein Bad wird mit 24 °C angesetzt, ein Flur mit weniger als ein Wohnraum.
Geometrie und Lage. Entscheidend ist nicht die Wohnfläche, sondern wie viel Außenfläche ein Raum hat und woran er grenzt – an beheizte Nachbarräume, an einen kalten Keller oder ans Erdreich.
Luftwechsel. Im Bestand oft der größere Posten als erwartet; im dichten Neubau zählt vor allem der hygienisch notwendige Mindestluftwechsel.
U-Werte selbst bestimmen Aus dem Schichtaufbau nach DIN EN ISO 6946 – oder als Näherung aus der gemessenen Oberflächentemperatur.
U-Wert-RechnerWas am Ende herauskommt
Nicht eine Zahl, sondern eine Planungsgrundlage:
- Gebäudeheizlast – der Gesamtbedarf, Grundlage für die Auslegung des Wärmeerzeugers.
- Raumheizlasten – der Bedarf je Raum, Grundlage für jede Heizfläche.
- Aufgeschlüsselte Verluste – Transmission und Lüftung getrennt ausgewiesen, damit nachvollziehbar bleibt, woher die Last kommt.
- Dokumentation – für die Übergabe an den Kunden und als Nachweis im Förderantrag.
Zur Einordnung
| Gebäude | W/m² |
|---|---|
| Altbau, ungedämmt, bis etwa 1977 | 100 – 150 |
| Teilsaniert, neue Fenster, Dach gedämmt | 70 – 100 |
| Vollsaniert nach heutigem Standard | 50 – 70 |
| Neubau nach GEG | 25 – 40 |
| Passivhaus | 10 – 15 |
Fällt das Ergebnis deutlich aus diesem Rahmen, lohnt der zweite Blick. Nach oben liegt der Fehler oft bei zu hoch angesetzten Luftwechselraten, nach unten bei vergessenen Bauteilen oder falschen Temperaturkorrekturfaktoren.
Die häufigsten Fehler
- Mit Faustformeln rechnen. „Wohnfläche mal 100 Watt" stammt aus einer Zeit, in der Kessel überdimensioniert werden durften. Für eine Wärmepumpe ist das Ergebnis regelmäßig ein bis zwei Leistungsklassen zu groß.
- Sicherheitszuschläge aufschlagen. Die Norm rechnet bereits mit Bedingungen, die nur an wenigen Tagen im Jahr auftreten. Wer darauf noch zwanzig Prozent legt, dimensioniert auf einen Fall, den es nicht gibt.
- Die Heizlast aus dem Verbrauch ableiten. Als Gegenprobe sinnvoll, als Grundlage nicht. Der Verbrauch sagt etwas über das Nutzerverhalten der letzten Jahre, nicht über den Bedarf am Auslegungstag.
- Die falsche Norm-Außentemperatur verwenden. Der Unterschied zwischen −10 °C und −16 °C sind rund zwanzig Prozent Heizlast. Der Wert gehört zum Standort, nicht zum Bauchgefühl.
- Warmwasser doppelt zählen. Die Norm-Heizlast enthält keine Trinkwassererwärmung. Die kommt bei der Auslegung des Wärmeerzeugers hinzu – dort und nicht schon in der Raumheizlast.
Die Gegenprobe am Verbrauch
Liegen Verbrauchsdaten vor, lässt sich das Ergebnis gegenprüfen. Nicht ersetzen – prüfen.
Heizlast ≈ Jahresverbrauch in kWh / Vollbenutzungsstunden Vollbenutzungsstunden in Deutschland rund 1.800 bis 2.100 h pro Jahr, je nach Region und GebäudeDafür muss der Verbrauch in Kilowattstunden umgerechnet und das Warmwasser abgezogen werden. Als Anhalt: ein Liter Heizöl entspricht etwa 10 kWh, ein Kubikmeter Erdgas ebenfalls rund 10 kWh. Für Warmwasser lassen sich je Person etwa 800 kWh im Jahr ansetzen.
Beispiel. Ein Haus verbraucht 2.400 m³ Erdgas im Jahr, drei Personen leben darin. Das sind rund 24.000 kWh, abzüglich etwa 2.400 kWh Warmwasser bleiben 21.600 kWh für die Heizung. Bei 1.900 Vollbenutzungsstunden und einem Kesselnutzungsgrad von 85 % ergibt das überschlägig eine Heizlast um 9,7 kW.
Weicht die berechnete Heizlast um mehr als etwa zwanzig Prozent davon ab, sollte man beide Wege noch einmal durchgehen, bevor Technik bestellt wird.
Herstellerneutral zusammengestellt von der Redaktion SHK INFO. Angaben nach bestem Wissen, ersetzen aber keine Planung im Einzelfall. Verbindlich ist immer die Berechnung für das konkrete Gebäude.